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Im Ruhestand · Phase 5

Entnahme ist die schwierigere Disziplin.

Du hast 40 Jahre aufgebaut. Jetzt hast du 25-35 Jahre, um zu entnehmen, ohne dass es ausgeht. Die Mathematik ist anders — Sequence-Risiko, Steuern, KV-Beiträge, Pflege und Langlebigkeit summieren sich. Die gute Nachricht: ein paar gut gewählte Regeln tragen den Großteil der Last.

Deine Prioritäten der Reihe nach

  1. Halte eine nachhaltige Entnahmequote ein

    4% im ersten Jahr, danach an Inflation angepasst — historisch über 30+ Jahre tragfähig mit hoher Wahrscheinlichkeit. Für Frührentner mit 40+ Jahren Horizont auf 3,25-3,5% senken. In Deutschland aufgrund niedrigerer historischer Aktienrenditen oft 3,5% empfohlen. Variable Strategien (Guyton-Klinger) kürzen Entnahmen in Bärenmärkten, um das Portfolio zu strecken.

  2. Reihenfolge der Entnahmen ist steuerlich entscheidend

    Konventionelle Reihenfolge: Depot (Aktien/ETF mit Sparerpauschbetrag) → Lebensversicherung/Banksparplan → bAV/Direktversicherung → Riester/Rürup zuletzt. Modernes Denken: mischen, um niedrige Grenzsteuersätze jedes Jahr auszufüllen. Rürup-Auszahlung erst ab 67 mit niedrigem Steuersatz nutzen — kann zehntausende Euro sparen.

  3. Plane gesetzliche Rente und Pflicht-Auszahlungen

    Rürup-Auszahlung läuft als lebenslange Rente — kein Kapitalwahlrecht. Riester kann zu 30% einmalig kapitalisiert werden. bAV als Kapital oder Rente wählbar (Steuerfolgen prüfen). Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung: nur ab 62 UND 12+ Jahre Vertragslaufzeit, sonst voller Grenzsteuersatz. Gesetzliche Rente automatisch ab Renteneintritt.

  4. Gegen Langlebigkeit absichern

    Die Hälfte der 65-Jährigen wird älter als 85; einer von vier älter als 90 (Statistisches Bundesamt). Plane 30-35 Jahre Rente ein. Sofortrente bei einem soliden Versicherer (Allianz, Cosmos, R+V) für die Grundausgaben sichert die Langlebigkeit für 20-30% des Bedarfs ab, ohne das ganze Portfolio aufzugeben. Solvabilität bei BaFin prüfen.

  5. Aktien-Allokation halten

    30-50% Aktien (Welt-ETF) auch in der Rente. 100% Anleihen fühlt sich sicher an, friert aber Inflationsverluste über 25-35 Jahre ein. Aktien sind dein Inflationsschutz. Tagesgeld und Bundesanleihen sind dein Sequence-Risk-Schutz. Beides brauchst du — inflationsindexierte Bundesanleihen (Bund-Linker) kombinieren beide Vorteile.

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Häufige Fragen

Ist die 4%-Regel heute noch sicher?

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Für 30-Jahres-Renten: ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit laut Bengen- und Trinity-Studien. Neuere Forschung mit aktuellen Bewertungen und niedrigeren Renditeerwartungen schlägt 3,5-3,8% als konservativer für neue Rentner vor. In Deutschland mit historisch niedrigeren Aktienrenditen (DAX vs S&P 500) tendiert man eher zu 3,5%. Die 4%-Regel ist ein Ausgangspunkt, kein Gesetz.

Was kostet Krankenversicherung im Ruhestand?

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GKV-Rentner zahlen ~16% auf alle Einkünfte (Rente + Miete + Kapitalerträge) — beim Durchschnittsrentner ~3.000-5.000 €/Jahr. PKV-Beiträge können im Alter explodieren (oft 800-1.500 €/Monat mit 75+). Jetzt Beitragsentlastungstarif prüfen. Pflegezusatzversicherung (z.B. Pflege-Bahr 5 €/Monat staatlich gefördert) als Ergänzung sinnvoll — Pflegekosten ab Heim-Eintritt 3.000-6.000 €/Monat über GPV hinaus.

Sollte ich Rürup-Auszahlung optimieren?

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Rürup-Auszahlung ist als lebenslange Rente vorgegeben — nicht als Kapital wählbar. Optimierung läuft über das Jahr des Renteneintritts: Beginn im Januar maximiert Steuervorteile (volles Jahr im niedrigen Steuersatz). Bei bAV/Direktversicherung: ab 62 + 12 Jahre Vertragsdauer kannst du Kapital wählen — mit Halbeinkünfteverfahren werden nur 50% des Ertrags besteuert. Spart fünfstellig.
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