Sequenz-Risiko: warum frühe Verluste in der Rente am meisten weh tun
Warum die Reihenfolge der Renditen für Rentner enorm wichtig ist — und wie man sich schützt.
- Sequenz-Risiko (Sequence of Returns Risk)
- Das Risiko, dass die Reihenfolge der Renditen ein Portfolio negativ trifft, sobald entnommen wird — auch wenn die langfristige Durchschnittsrendite identisch bleibt.
- Beispiel: Zwei Rentner mit identischer 30-Jahres-Durchschnittsrendite können je nach Renditeabfolge mit 0 € oder 2 Mio. € enden.
- Entnahmerate als Planungsszenario
- Prozentsatz, mit dem Entnahmen über einen festgelegten Horizont verglichen werden; ob das Vermögen reicht, hängt von Portfolio, Zeitraum, Kosten, Steuern und Ausgaben ab.
- Beispiel: Eine historische 30-Jahres-Simulation kann 4 % von 1 Mio. € (40.000 €) mit Inflationsausgleich testen; das ist keine Zukunftsgarantie.
Sequenz-Risiko ist die Gefahr, dass ein Marktcrash früh in der Rente das Vermögen dauerhaft reduziert — selbst wenn die langfristige Durchschnittsrendite hervorragend ist. Zwei Rentner mit gleicher Durchschnittsrendite können wild unterschiedlich enden, je nachdem in welcher Reihenfolge die Renditen kamen.
Das kontraintuitive Beispiel
Diese Illustration hält 1 Mio. € Anfangskapital, 40.000 € Jahresentnahme und eine umgekehrte Renditereihenfolge über 30 Jahre konstant. Der unterschiedliche Ausgang zeigt das Sequenzrisiko in diesem Modell; er prognostiziert keine reale Rentenbilanz.
Warum frühe Verluste mehr weh tun
- Wer 40.000 € aus 600.000 € entnimmt (nach Crash), verkauft prozentual mehr vom Portfolio
- Das Portfolio hat weniger Zeit und kleinere Basis zur Erholung
- Jede weitere Entnahme kommt aus immer kleinerer Basis — die Schäden potenzieren sich
- Das Portfolio erholt sich oft nicht, bevor die nächste Entnahme zuschlägt
Wer am stärksten betroffen ist
Sequenz-Risiko ist hart für: (1) Frührentner mit 30+ Jahren Horizont, (2) alle mit Entnahmeraten über 4%, (3) Portfolios mit hohem Aktienanteil in der Entnahmephase. Minimal für: (1) Sparer in der Ansparphase, (2) Personen mit gesetzlicher Rente plus bAV, die Grundausgaben decken, (3) Portfolios mit großer Anleihen-/Festgeldquote.
Wie man sich schützt
- Renten-Glidepath: Anleihen-/Tagesgeldquote 5–10 Jahre vor Renteneintritt erhöhen, hoch halten in den ersten Rentenjahren, allmählich senken
- Cash-Bucket: 2–3 Jahresausgaben auf Tagesgeld halten, um Aktien nicht im Crash verkaufen zu müssen
- Flexible Ausgaben: 10–20% der Ausgaben kürzen in Jahren nach starken Crashs
- Variable Entnahmeregeln: Entnahmen an Portfolio-Performance anpassen (Guyton-Klinger, CAPE-basierte Strategien)
- Renteneintritt verschieben: Ein Jahr länger arbeiten + Zinseszins kann Sequenz-Risiko deutlich entschärfen
Die 4%-Regel mit Vorbehalt
Bengens ursprüngliche 4%-Regel basiert auf historischen 30-Jahres-Sequenzen am US-Markt und ist keine Garantie. Für 40–50-jährige Renten steigt die Unsicherheit; testen Sie niedrigere Entnahmen, flexible Ausgaben, Steuern und deutsche Krankenversicherungsbeiträge mit Ihren eigenen Annahmen.
Was Sequenz-Risiko NICHT trifft
In der Ansparphase ist es umgekehrt — frühe Crashs lassen dich günstiger Anteile kaufen. Genau deshalb produziert das Durchhalten von Sparplänen durch Marktphasen langfristig bessere Ergebnisse als Markt-Timing.
Häufige Fragen
Gilt Sequenz-Risiko auch für Vorruheständler?
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Reicht ein 60/40-Portfolio (Aktien/Anleihen)?
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Was ist mit Sofortrenten (Leibrente)?
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