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Ratgeber · 7 Min LesezeitAktualisiert Mai 2026

Steueroptimierte Projektionen — Nachsteuer-Renditen in Deutschland realistisch modellieren

Standardrechner nehmen steuerfreies Wachstum an. Für ein normales Depot überschätzt das das Ergebnis um 10-25%. So passt du die Eingabewerte manuell an.

Schlüsselbegriff
Steuerlicher Drag
Reduktion des Zinseszins-Wachstums durch laufend gezahlte Steuern auf Dividenden, Kursgewinne und Zinsen. Typisch 0,3-1,5% pro Jahr in einem deutschen Depot.
Schlüsselbegriff
Abgeltungsteuer
Pauschale Kapitalertragsteuer in Deutschland: 25% + 5,5% Solidaritätszuschlag + ggf. 8-9% Kirchensteuer. Effektiv ~26,375% bis 27,99%.
Schlüsselbegriff
Sparerpauschbetrag
Steuerfreibetrag für Kapitalerträge: 1.000 € pro Person, 2.000 € verheiratet (Stand 2026). Per Freistellungsauftrag bei Bank oder Broker einzurichten.
Schlüsselbegriff
Vorabpauschale
Jährlich besteuerte fiktive Mindestausschüttung bei thesaurierenden Fonds und ETFs. Aktien-ETFs profitieren von 30% Teilfreistellung — effektiver Steuersatz 18,5%.
Schlüsselbegriff
Teilfreistellung
Steuerfreier Anteil der Erträge bei Investmentfonds: 30% bei Aktienfonds (>50% Aktien), 15% bei Mischfonds, 60-80% bei Immobilienfonds.

Die meisten Zinseszins-Rechner nehmen implizit steuerfreies Wachstum an. Das stimmt für Riester (in der Anwartschaft) und ist annähernd richtig solange du unter dem Sparerpauschbetrag bleibst. Es ist um 10-25% falsch für ein normales Depot mit größeren Beträgen. So passt du die Eingaben manuell an, damit die Projektion zur Realität passt.

Drei Konto-Typen, drei verschiedene Rechnungen

(1) Riester (Anwartschaft steuerfrei): keine Anpassung in der Wachstumsphase. Aber 100% steuerpflichtig in der Auszahlphase mit persönlichem Steuersatz. (2) Rürup (Basisrente): Beiträge zu 100% absetzbar (Stand 2025); volle Besteuerung der Rente mit persönlichem Steuersatz. (3) Normales Depot (z.B. Trade Republic, Scalable, Comdirect): laufende Vorabpauschale, beim Verkauf voller Abgeltungsteuersatz auf den Gewinn.

Anpassung für ein normales Depot mit Aktien-ETF

Bei einem thesaurierenden Aktien-ETF (MSCI World, FTSE All-World) zahlst du jährlich Vorabpauschale auf einen fiktiven Betrag. Effektiver Drag mit 30% Teilfreistellung: ~0,3-0,5% pro Jahr in normalen Zinsumgebungen. Praktische Regel: subtrahiere 0,3-0,5% von der nominalen Rendite. Aus 7% real werden ~6,5-6,7% real. Beim finalen Verkauf zusätzlich Abgeltungsteuer auf den verbleibenden Gewinn (effektiv ~18,5% nach Teilfreistellung).

Anpassung für Anleihen-ETFs und Tagesgeld

Keine Teilfreistellung — voller Abgeltungsteuersatz von ~26,375% (mit Soli, ohne Kirche). Drag bei Anleihen-ETFs: 0,8-1,5% pro Jahr. Bei Tagesgeld zahlst du jährlich auf alle Zinsen über dem Sparerpauschbetrag. Für 30-jährige Projektionen wird "7% nominal" effektiv zu ~5,1% nominal nach Steuern auf Anleihenseite.

Anpassung für Rürup

Lass den Rechner mit voller Rendite (z.B. 7% real) laufen. Beim Endsaldo subtrahierst du den erwarteten Steuersatz in der Rentenphase. Die meisten Rentner liegen bei 20-30% Grenzsteuersatz. Eine Million Euro in Rürup wird also zu ~700.000 € netto. Lohnt sich, wenn dein heutiger Grenzsteuersatz hoch ist (42%+) und du in der Rente in einer niedrigeren Klasse landen wirst.

Beispielrechnung: 500 € / Monat über 30 Jahre bei 7% real

Riester (mit Zulage und Steuerersparnis, vereinfacht steuerfrei in Anwartschaft, aber voll besteuert in Auszahlung): Endsaldo ~612.000 €, davon ~25% in Auszahlphase = ~459.000 € netto. Aber Zulagen + Steuerersparnis während Ansparphase machen es kompetitiv. Depot mit Aktien-ETF (Drag ~0,4% durch Vorabpauschale): bei 6,6% real → ~556.000 €. Beim Verkauf zusätzlich Abgeltungsteuer (~18,5% effektiv mit Teilfreistellung) auf den Gewinn von ~376.000 € = ~70.000 € Steuer. Netto: ~486.000 €. Rürup mit 30% Steuersatz in Auszahlung: 612.000 € × 0,70 = ~428.000 € netto. Aber 42% Absetzbarkeit in Ansparphase über 30 Jahre, reinvestiert, treibt effektiven Wert auf ~580.000 €.

Warum Wahl des Wrappers wichtiger ist als gedacht

Gleiche Anlage, gleiche Rendite, gleicher Horizont. Anderer Steuermantel. Eine 30-jährige Person, die 35 Jahre lang den Sparerpauschbetrag voll nutzt und Aktien-ETF mit Teilfreistellung hält, kommt auf ~1,1M € nach allen Steuern. Dieselbe Person mit Rentenfonds-Drag von 1,2% landet bei ~880K €. Der Wrapper ist 220K € wert — geschenkt.

Asset Location: der fortgeschrittene Schritt

Mit mehreren Konten platzierst du steuerineffiziente Assets (Anleihen-ETFs, hochdividenden-Aktien, ausländische REITs) in Riester/Rürup, und steuereffiziente Assets (thesaurierende Aktien-ETFs mit 30% Teilfreistellung) im normalen Depot. Ersparnis: 0,2-0,4% pro Jahr — klein jährlich, aber ~80K € über 30 Jahre auf einem 500K-Portfolio.

Was unser Rechner nicht modelliert

Kirchensteuer (zusätzlich 8-9% in Bayern/BW), individuelle Vorabpauschale-Berechnung mit Basiszins, Verlustverrechnungstöpfe, FIFO-Regel beim Teilverkauf, ausländische Quellensteuer auf Dividenden. Wichtig auf einigen Prozentpunkten. Für 90% der Fälle bringt dich "0,4% pro Jahr abziehen für Aktien-ETF, 18,5% am Ende auf den Gewinn" innerhalb von 5% an die Realität.

Häufige Fragen

Wie viel kostet die Vorabpauschale über 30 Jahre wirklich?

+
Ein Aktien-ETF mit 0,4% jährlichem Drag verliert über 30 Jahre etwa 11% gegenüber komplett steuerfreiem Wachstum. Auf 180K € Einzahlungen bei 7% real ist das die Differenz zwischen 612K € (steuerfrei) und ~545K € (mit Drag) — ~67K € verloren an die Vorabpauschale.

Lohnt sich Rürup bei 42% Grenzsteuersatz?

+
Meist ja, wenn du in der Rente unter 30% Grenzsteuersatz liegen wirst. Die Differenz von 12+ Prozentpunkten zwischen Einzahlung und Auszahlung ist der größte Hebel. Nicht geeignet, wenn du das Geld vor Rentenalter brauchen könntest — Rürup ist absolut illiquide.

Und ETF-Sparpläne mit Sparerpauschbetrag?

+
Solange deine Kapitalerträge unter 1.000 € (Single) bzw. 2.000 € (verheiratet) pro Jahr bleiben, zahlst du gar keine Steuern. Setze einen Freistellungsauftrag bei deinem Broker. Bei einem 50K-€-Portfolio mit 2% Vorabpauschale-Basis bist du noch komplett unter dem Freibetrag.
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