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Ratgeber · 6 Min. Lesezeit

Nachsteuer-Projektionen: Steuern bei Geldanlagen in Deutschland berücksichtigen

So nutzt du einen Zinseszinsrechner für Szenarien nach Kosten und Steuern — mit klaren Annahmen statt einer pauschalen Steuerquote.

Mit Primärquellen abgeglichenRedaktionelle Standards
Themen: Zinseszins · Rente · FIRE · Schulden · Hypotheken · Betrugsprävention
Aufgebaut auf Daten von: BaFin · Bundesbank · Destatis · KfW · IRS · BLS30+ Primärquellen geprüft
Schlüsselbegriff
Vorabpauschale
Ein gesetzlich bestimmter Betrag, der bei Investmentfonds unter den Voraussetzungen des Investmentsteuergesetzes als Ertrag gilt. Seine Berechnung hängt unter anderem vom jährlichen Basiszins, dem Fondswert und Ausschüttungen ab.
Schlüsselbegriff
Teilfreistellung
Ein Teil bestimmter Fondserträge bleibt je nach Fondsart und Anleger steuerfrei. Die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Aktienfonds oder Mischfonds müssen erfüllt sein.
Schlüsselbegriff
Sparer-Pauschbetrag
Bei Kapitalerträgen wird grundsätzlich ein Pauschbetrag von 1.000 Euro je Person berücksichtigt; bei zusammen veranlagten Ehegatten gilt ein gemeinsamer Betrag von 2.000 Euro. Er ist auf die verrechneten Kapitalerträge begrenzt.
Schlüsselbegriff
Nachgelagerte Besteuerung
Bei bestimmten Altersvorsorgeprodukten werden Beiträge, Förderung und spätere Leistungen nach jeweils eigenen gesetzlichen Regeln behandelt. Der konkrete Vertrag und das Jahr des Rentenbeginns sind entscheidend.

Ein Zinseszinsrechner kann Beiträge, Laufzeit und angenommene Rendite fortschreiben. Eine solche Projektion ist noch keine persönliche Nachsteuer-Berechnung: Sie hängt unter anderem von Anlageprodukt, Ausschüttungen, Kosten, Steuerregeln, Freistellungsauftrag, persönlichen Umständen und Verkaufszeitpunkt ab. Nutze den Rechner deshalb, um Annahmen zu vergleichen, nicht um einen garantierten Nettobetrag vorherzusagen.

Baue zuerst ein nachvollziehbares Basisszenario

Lege fest, ob die Rendite nominal oder inflationsbereinigt angegeben ist, und verwende diese Grundlage durchgehend. Trage Sparrate, Startbetrag, Laufzeit und eine Renditeannahme ein. Wenn du Gebühren berücksichtigen willst, ziehe sie nur dann von der Rendite ab, wenn sie nicht bereits in dieser enthalten sind. Notiere jede Annahme neben dem Ergebnis.

Vergleiche Bandbreiten statt einer festen Steuer-Drag-Regel

Berechne mehrere Rendite- und Kostenszenarien, zum Beispiel ein niedrigeres, mittleres und höheres Szenario. Eine pauschale jährliche Kürzung für Steuern lässt sich nicht zuverlässig auf jedes Depot übertragen: Die Vorabpauschale wird nach einer gesetzlichen Formel ermittelt, deren Basiszins sich ändern kann; Ausschüttungen und Wertentwicklung begrenzen den Basisertrag. Ein späterer Verkauf hat wiederum eigene steuerliche Folgen.

Fondsbesteuerung hängt von den gesetzlichen Merkmalen ab

Für bestimmte Aktienfonds sieht das Investmentsteuergesetz eine Teilfreistellung von 30 Prozent für private Anleger vor. Diese gilt nicht automatisch für jeden ETF mit Aktien im Namen: Maßgeblich sind die gesetzlichen Merkmale der Fondsart. Prüfe die Einstufung in den Fondsunterlagen und die Abrechnung deines Anbieters, bevor du eine Steuerannahme in eine Projektion übernimmst.

Altersvorsorgeprodukte separat modellieren

Riester-Verträge, Basisrenten und ein frei verfügbares Depot haben unterschiedliche Förder-, Beitrags- und Auszahlungsregeln. Bei bestimmten lebenslangen Renten richtet sich der steuerpflichtige Anteil nach dem Jahr des Rentenbeginns; weitere Vertrags- und Einkunftsregeln können hinzukommen. Vergleiche deshalb nicht einfach einen Kontostand vor Steuern mit einem Nettowert nach Steuern. Nutze Vertragsinformationen und eine individuelle Steuerberechnung für eine Produktentscheidung.

Was der Rechner hier nicht berechnet

Diese Projektion ermittelt weder die jährliche Vorabpauschale noch deine individuelle Einkommensteuer, Teilfreistellung, Verlustverrechnung, Kirchensteuer, Förderansprüche oder den Nettowert eines konkreten Rentenvertrags. Für eine belastbare Entscheidung prüfe die aktuelle Fonds- und Vertragsdokumentation sowie deine Steuerunterlagen. Bei Bedarf lass die konkrete Situation steuerlich beraten.

Häufige Fragen

Kann ich einfach jedes Jahr einen festen Prozentsatz für Steuern abziehen?

+
Das ergibt höchstens ein vereinfachtes Szenario, keine allgemeingültige Nachsteuer-Rendite. Die tatsächliche Belastung hängt unter anderem von Fondsart, Basiszins, Ausschüttungen, Wertentwicklung, Freistellungsbetrag und Verkaufszeitpunkt ab. Kennzeichne eine pauschale Kürzung als eigene Annahme und teste mehrere Werte.

Wie hoch ist der Sparer-Pauschbetrag?

+
Das Einkommensteuergesetz nennt grundsätzlich 1.000 Euro pro Person und einen gemeinsamen Betrag von 2.000 Euro für zusammen veranlagte Ehegatten. Der Betrag kann nicht höher sein als die verrechneten Kapitalerträge; persönliche Steuersituation und Freistellungsauftrag sind ebenfalls zu berücksichtigen.

Sind 30 Prozent meiner ETF-Erträge immer steuerfrei?

+
Nein. Die 30-prozentige Teilfreistellung gilt für gesetzlich definierte Aktienfonds und hängt von der Fondsart sowie der persönlichen Anlegersituation ab. Prüfe die Fondseinstufung in den offiziellen Unterlagen.

Kann der Rechner Riester oder Basisrente nach Steuern vergleichen?

+
Nein. Er zeigt eine Zinseszinsprojektion anhand deiner Eingaben, berechnet aber weder Zulagen und mögliche Abzüge noch die spätere Besteuerung eines konkreten Vertrags. Dafür brauchst du die Vertragsbedingungen und eine individuelle Berechnung.

Quellen & weiterführende Literatur

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