Direkter Vergleich
Erst Notgroschen oder gleich investieren? Die 2-Konten-Antwort
Die Ausgangslage
Du hast 300 €/Monat übrig. Erst einen 6-Monats-Notgroschen aufbauen oder gleich in den ETF-Sparplan? Wir modellieren die ersten 3 Jahre und zeigen, warum die Antwort 'beides — in dieser Reihenfolge' lautet.
Option A
Notgroschen 15.000 € auf Tagesgeld zu 3,5% aufbauen
Nach 3 Jahren
Endsaldo
$20,449
Eingezahlt gesamt$19,000
Erträge gesamt+$1,449
Steuern & Risiko: Tagesgeld bei deutscher Bank, gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 €, sofort verfügbar.
Im Rechner ausprobieren →Option B
MSCI-World-ETF-Sparplan (~7% erwartet)
Nach 3 Jahren
Endsaldo
$21,673
Eingezahlt gesamt$19,000
Erträge gesamt+$2,673
Steuern & Risiko: Volatil — MSCI World fiel 2008 um über 40%, in der Covid-Panik um 30%. Vorabpauschale + 25% Abgeltungsteuer auf Erträge.
Im Rechner ausprobieren →Unterschied
$1,224
Erst einen Mini-Notgroschen von 1.000–2.000 € auf Tagesgeld aufbauen (1–2 Monate). Dann nur so viel investieren, dass der bAV-Arbeitgeberzuschuss voll mitgenommen wird. Dann zurück und den vollen 3–6-Monats-Notgroschen vollmachen. Erst danach maximalen ETF-Sparplan. Wer diese Reihenfolge überspringt, verkauft beim ersten Zahnarzttermin oder Autoschaden Aktien zum Tiefpunkt oder rutscht in den Dispo zu 12%.
Was passt zu dir?
Wenn
Du hast nichts gespart und keine Schulden
Dann
Bau in 1–2 Monaten 1.000 € Tagesgeld auf, hol dir dann den vollen bAV-Zuschuss, danach füllst du auf 3–6 Monatsausgaben auf.
Wenn
Unregelmäßiges Einkommen (selbstständig, Freelance) oder Alleinverdiener
Dann
Ziel 9–12 Monatsausgaben. Notgroschen geht klar vor Investieren jenseits des bAV-Zuschusses.
Wenn
Stabiles Doppeleinkommen und niedrige Fixkosten
Dann
3 Monatsausgaben reichen meist. Der Rest darf früher in den ETF-Sparplan.
Kernpunkte
- Der Job des Notgroschens ist nicht Rendite, sondern dich vor Notverkäufen im Crash und vor dem Dispo zu schützen.
- Tagesgeld bei Neobanken (DKB, ING, Trade Republic Cash) liefert 3–4% — viel besser als das klassische Girokonto. Nutz es.
- Nach Mini-Notgroschen und bAV-Zuschuss ist die Reihenfolge persönlich — risikotolerante Sparer dürfen Notgroschen und ETF parallel weiterfüllen.
Häufige Fragen
Wie viel sollte im Notgroschen liegen?
+
Standardregel: 3–6 Monatsausgaben (Miete, Essen, Strom, Versicherungen, Mindestraten). Mehr (6–9 Monate), wenn du selbstständig bist oder Alleinverdiener. Weniger (3 Monate), wenn beide unbefristet angestellt sind und niedrige Fixkosten habt.
Wo bewahre ich den Notgroschen am besten auf?
+
Tagesgeld bei einer Bank mit deutscher Einlagensicherung (DKB, ING, Comdirect) oder einem Geldmarkt-ETF im verzinsten Cash-Konto (Trade Republic, Scalable). 3–4% Zinsen, jederzeit verfügbar, bis 100.000 € pro Bank gesichert. Festgeld nur, wenn du wirklich nicht rankommen sollst. Auf dem Girokonto bleibt nichts liegen — wird ausgegeben.
Kann ich meinen ETF-Sparplan als Notgroschen nutzen?
+
Technisch ginge es — du kannst ETF-Anteile jederzeit verkaufen. Aber es gibt zwei harte Nachteile: (1) im Notfall verkaufst du oft im Crash, also genau zum schlechtesten Zeitpunkt; (2) Vorabpauschale und Abgeltungsteuer fressen Rendite. Nimm Tagesgeld für Notfälle und lass den Sparplan in Ruhe laufen.