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Ratgeber · 8 Min. LesezeitAktualisiert Juni 2026

Riester vs Rürup ({YEAR}): Welche private Rente lohnt für wen — Steuern, Beispiele

Riester oder Rürup? Vergleich von Steuerförderung, Auszahlung, Vererbbarkeit und Eignung. Konkrete Rechenbeispiele für Familien, Selbständige und Beamte ({YEAR}).

Zuletzt geprüft 14. Juni 2026Mit Primärquellen abgeglichenRedaktionelle Standards
Themen: Zinseszins · Rente · FIRE · Schulden · Hypotheken · Betrugsprävention
Aufgebaut auf Daten von: BaFin · Bundesbank · Destatis · KfW · IRS · BLS30+ Primärquellen geprüft
Schlüsselbegriff
Riester-Rente
Staatlich geförderte private Altersvorsorge mit Grundzulage (175 €/Jahr) und Kinderzulagen (300 €/Jahr/Kind unter 25). Vor allem für Angestellte und Familien attraktiv.
Beispiel: Eine Familie mit 2 Kindern erhält 175 € Grundzulage pro Erwachsenem + 600 € Kinderzulage — bei voller Eigenleistung von 4 % des Vorjahres-Bruttos.
Schlüsselbegriff
Rürup-Rente (Basisrente)
Private Altersvorsorge mit Beitragsabzug als Sonderausgaben. 2026 sind 100 % der Beiträge bis zum Höchstbeitrag (~29.300 € Single) absetzbar. Für Selbständige und Besserverdiener.
Beispiel: Ein Selbständiger mit 80.000 € zu versteuerndem Einkommen, der 10.000 € in Rürup einzahlt, spart ~3.500 € Einkommensteuer.
Schlüsselbegriff
Nachgelagerte Besteuerung
Sowohl Riester- als auch Rürup-Rente werden in der Auszahlungsphase voll versteuert (in der Regel zu niedrigerem Grenzsteuersatz als in der Anspar-Phase).
Schlüsselbegriff
Verrentung
Pflicht zur lebenslangen Rentenzahlung. Riester erlaubt 30 % Einmalauszahlung zu Rentenbeginn, Rürup nicht.

Riester und Rürup sind die zwei staatlich geförderten privaten Altersvorsorge-Säulen in Deutschland. Beide bieten Steuervorteile, beide zwingen zur Verrentung. Aber sie unterscheiden sich grundlegend in der Zielgruppe, Förderlogik und Flexibilität. Falsche Wahl kostet Sie bis zur Rente fünfstellig.

Die Kurzversion

  • Riester ist die beste Wahl für Familien mit Kindern und Geringverdiener — Kinderzulage 300 €/Kind/Jahr macht die Rendite unschlagbar.
  • Rürup ist die beste Wahl für Selbständige und Besserverdiener (>60.000 € Brutto) — voller Steuerabzug ohne GRV-Pflicht.
  • Beamte: Riester möglich (eigener Mindesteigenbeitrag 4 %); Rürup nur bei sehr hohem Grenzsteuersatz sinnvoll.
  • Single ohne Kinder, mittleres Einkommen: meist günstiger und flexibler im ETF-Sparplan. Riester lohnt sich nur bei langfristiger Renditeerwartung deutlich >3 %.
  • Beide werden in der Auszahlungsphase voll versteuert — der Steuervorteil ist primär Zeitwertvorteil, nicht Steuerersparnis netto.

Riester — wie die Förderung wirklich rechnet

Die Riester-Förderung besteht aus zwei Komponenten: Zulagen (Grundzulage 175 € + Kinderzulage 300 €) und Steuervorteil (Sonderausgabenabzug bis 2.100 €/Jahr). Das Finanzamt prüft jährlich beide Wege und gewährt den jeweils höheren. Bei mittlerem Einkommen mit zwei Kindern unter 25 dominieren die Zulagen — die Förderquote kann 40-60 % des Eigenbeitrags erreichen.

Damit Sie die volle Zulage erhalten, müssen Sie 4 % Ihres Vorjahres-Bruttos einzahlen (max. 2.100 €/Jahr inkl. Zulagen). Wer weniger einzahlt, erhält nur eine anteilige Zulage. Familien mit 2 Kindern und 35.000 € Brutto-Einkommen: Eigenbeitrag ~700 €, Zulagen 775 €, Gesamteinzahlung 1.475 € — eine Förderquote von 110 %.

Rürup — Steuervorteil als zentraler Hebel

Bei Rürup gibt es keine Zulagen, sondern direkter Steuerabzug. 2026 sind 100 % der Beiträge bis zum gesetzlichen Höchstbeitrag (~29.300 € Single, ~58.600 € Verheiratete) als Sonderausgaben absetzbar. Wer einen Grenzsteuersatz von 42 % hat und 10.000 € einzahlt, spart 4.200 € Einkommensteuer — Nettokosten 5.800 € für 10.000 € Altersvorsorge.

Rürup ist deshalb besonders attraktiv für Selbständige (die nicht in die GRV einzahlen müssen) und für Besserverdiener im Spitzensteuersatz. Auch Angestellte mit hohem Einkommen können profitieren, sind aber bereits über die GRV abgesichert — der Zusatznutzen ist geringer.

Vererbbarkeit & Auszahlung — der oft übersehene Unterschied

  • Riester: Bei Tod vor Rentenbeginn voll vererbbar an Ehepartner. Bei Tod nach Rentenbeginn nur Restkapital aus Garantiephase (meist 5-15 Jahre).
  • Rürup: Bei Tod vor Rentenbeginn nur Restkapital an Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder. Andere Erben: nichts.
  • Riester: Bis zu 30 % Einmalauszahlung zu Rentenbeginn möglich (mit Steuernachzahlung).
  • Rürup: Reine lebenslange Rente, keine Einmalauszahlung erlaubt — Bindung total.

Konkrete Beispielrechnung — wer welche Wahl treffen sollte

Familie Müller, 35 Jahre, 2 Kinder, 40.000 € Brutto: Riester einzahlen 1.600 €/Jahr (4 % Brutto), erhält 950 € Zulagen — effektive Eigenleistung 650 €. Bei 30 Jahren Laufzeit und 3 % Garantieverzinsung ergibt das ~78.000 € Rentenkapital. Rürup wäre hier suboptimal: nur 25 % Grenzsteuersatz, Steuerersparnis ~400 €/Jahr, deutlich unter Riester-Zulagen.

Selbständiger Weber, 40 Jahre, 90.000 € Einkommen, kinderlos: Rürup einzahlen 8.000 €/Jahr, Steuerersparnis ~3.300 € (Grenzsteuersatz 42 %) — Nettokosten 4.700 €. Über 25 Jahre bei 3 % Verzinsung: ~290.000 € Rentenkapital. Riester wäre weniger attraktiv: nur 175 € Zulage, kleiner Steuerabzug, deutlich geringere Beitragsobergrenze.

Alternativen — wann ETF-Sparplan klar besser ist

Für Singles und Doppelverdiener-Paare ohne Kinder mit mittlerem Einkommen (30.000-60.000 €) ist ein flexibler ETF-Sparplan oft die bessere Wahl: keine Verrentungspflicht, frei vererbbar, höhere Renditeerwartung (~7 % real beim MSCI World vs ~3 % Garantie bei Riester). Die Steuerförderung ersetzt nicht den Renditenachteil über 30+ Jahre.

Ergänzen Sie Riester/Rürup nicht 100 % der Altersvorsorge — kombinieren Sie sie immer mit einem freien ETF-Sparplan. Diversifikation auch in den Vorsorgemodellen.

Häufige Fragen

Lohnt sich Riester noch im Jahr {YEAR}?

+
Für Familien mit Kindern unter 25 und Geringverdiener weiterhin ja — die Zulagen machen die Förderung unschlagbar. Für Singles ohne Kinder mit mittlerem Einkommen meist nicht — ETF-Sparplan deutlich flexibler und renditestärker.

Kann ich Riester und Rürup parallel haben?

+
Ja — beide Modelle laufen unabhängig voneinander. Steuerförderung gilt für beide separat (Riester max. 2.100 €/Jahr, Rürup bis 29.300 € Single). In der Praxis selten sinnvoll, weil meist eine Form klar überlegen ist.

Was passiert, wenn ich vor Rentenbeginn sterbe?

+
Riester: Vermögen voll an Ehepartner übertragbar (in dessen eigenen Riester-Vertrag). Rürup: Nur Restkapital an Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder. Andere Erben gehen leer aus — wichtiger Punkt für die Wahl.

Wie hoch ist die Garantieverzinsung aktuell?

+
Bei klassischen Riester- und Rürup-Verträgen (Versicherung) 2026 zwischen 1,25 % und 2,5 %. Bei fondsgebundenen Varianten höhere Renditeerwartung, aber kein Kapitalerhalt garantiert. Achten Sie auf Effektivkosten (≤1,5 % p. a.).

Kann ich aus Riester aussteigen, wenn der Vertrag schlecht läuft?

+
Kündigung ist möglich, kostet aber die staatlichen Zulagen und Steuerförderung der letzten Jahre. Besser: beitragsfrei stellen und einen neuen, besseren Riester-Vertrag bei anderem Anbieter starten. Wechsel ist möglich, aber Anbieter haben Wechselgebühren.
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