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Ratgeber · 8 Min LesezeitAktualisiert Mai 2026

Identitätsdiebstahl: was tun, wenn es passiert ist

Ein 7-Schritte-Plan bei gestohlener Identität in Deutschland. SCHUFA-Sperre, Anzeige, BaFin-Meldung — und wie man sich erholt.

Schlüsselbegriff
SCHUFA-Sperrung
Auf Antrag setzt die SCHUFA einen Vermerk, der Banken und Anbieter warnt, deine Identität bei Vertragsabschlüssen sorgfältig zu prüfen. Stärker als ein einfacher Hinweis.
Beispiel: Die SCHUFA-Sperre wird per Brief beantragt — kostenlos, aktiv etwa 3 Tage nach Eingang.
Schlüsselbegriff
Strafanzeige bei der Polizei
Schriftliche oder mündliche Anzeige bei jeder Polizeidienststelle (auch online über die Online-Wachen der Bundesländer). Nötig für viele Banken, um Schadensregulierung einzuleiten.
Beispiel: NRW, Bayern, Berlin und andere bieten Online-Anzeige unter polizei.[bundesland].de an.
Schlüsselbegriff
BaFin-Verbraucherbeschwerde
Beschwerdeverfahren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gegen Banken oder Finanzinstitute, die bei Identitätsdiebstahl ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben.
Beispiel: Online-Beschwerde unter bafin.de/Verbraucherbeschwerde — kostenlos, schriftliche Antwort innerhalb weniger Wochen.

Identitätsdiebstahl trifft jährlich Hunderttausende in Deutschland — Kontoeröffnungen unter falschem Namen, betrügerische Bestellungen, Steuerbetrug. Je schneller du reagierst, desto mehr lässt sich begrenzen. Hier ist der 7-Schritte-Plan.

1. SCHUFA-Selbstauskunft anfordern und Sperrvermerk setzen

Kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO über meineschufa.de — zeigt alle Konten, Verträge und Anfragen auf deinen Namen. Wenn du etwas nicht erkennst, beantrage parallel eine SCHUFA-Sperre (kostenlos). Auch Boniversum (Creditreform) und CRIF Bürgel separat anfragen.

2. Strafanzeige bei der Polizei erstatten

Persönlich auf einer Wache oder online über die Online-Wache deines Bundeslandes. Bring Belege, Screenshots, falsche Rechnungen, alles Verdächtige mit. Aktenzeichen notieren — du brauchst es für jede weitere Meldung. Ohne Anzeige tun viele Banken nichts.

3. Bei Banken und Vertragspartnern reklamieren

Ruf die Betrugsabteilung (nicht die normale Hotline) jeder Bank, jedes Anbieters, wo Betrug vorliegt, an. Bei SEPA-Lastschriften: 8 Wochen Rückbuchungsrecht nutzen. Bei nicht autorisierten Überweisungen: §675u BGB (Bank haftet bei nicht autorisiertem Zahlungsvorgang). Schriftliche Bestätigungen aller Stornierungen verlangen.

4. Anzeige bei BaFin und Verbraucherzentrale

Wenn eine Bank trotz Anzeige nicht reagiert: BaFin-Verbraucherbeschwerde (bafin.de/Verbraucherbeschwerde). Verbraucherzentralen (verbraucherzentrale.de) bieten kostenlose oder günstige Erstberatung. Bei großen Schäden zusätzlich Anwalt einschalten.

5. Finanzamt und ELSTER absichern

Wenn deine Steuer-ID kompromittiert ist: dein Finanzamt informieren. Im ELSTER-Portal Aktivität prüfen — gab es eine fremde Steuererklärung? Ein FreischaltCode-Tausch ist möglich. Auch beim ELSTER-Postfach prüfen, ob fremde Dokumente angekommen sind.

6. Personalausweis und Pässe prüfen — ggf. neu beantragen

Wenn dein Personalausweis kopiert oder gestohlen wurde: bei der Stadt/Gemeinde verloren melden, Sperre der eID-Funktion über sperrhotline.de (kostenlos), neuen Ausweis beantragen. Reisepass parallel.

7. 12+ Monate weiter beobachten

Identitätsdiebe halten Daten oft monatelang, bevor sie zuschlagen. SCHUFA-Selbstauskunft alle 3 Monate (gratis nach DSGVO). Online-Banking-Konten, ELSTER, eBay, Amazon, alle größeren Dienste auf unbekannte Aktivität prüfen. WEISSER RING (weisser-ring.de) bietet kostenlose Opferbegleitung.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein kostenpflichtiger Identitätsschutz-Service?

+
Meist nein. Die SCHUFA-Selbstauskunft ist nach DSGVO einmal jährlich kostenlos, kann öfter angefordert werden. Banken-Apps (DKB, ING, Comdirect) bieten häufig kostenlose SCHUFA-Updates. Pay-Services kosten 5–15 €/Monat für das, was du selbst in 30 Minuten pro Quartal machen kannst.

Wie lange dauert die Erholung von Identitätsdiebstahl?

+
Im Schnitt 3–6 Monate für einfache Fälle (eine betrügerische Kreditkarte). 1–2 Jahre bei mehreren Konten oder Steuerbetrug. Geschädigte verbringen typisch 100–200 Stunden mit der Lösung — Anrufe, Briefe, Anwalt, Belege.

Wann sollte ich meine Personalausweisnummer online angeben?

+
Nur wenn gesetzlich vorgeschrieben (Identifizierung bei Bank, Behörde, Telekommunikationsvertrag). Online-Shops, Werkstätten und Mitarbeiter-Aktionen brauchen sie meist nicht — fragen lohnt. Je weniger Stellen deine Ausweisnummer haben, desto kleiner die Angriffsfläche.
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