Wie man einen Zinseszins-Rechner richtig nutzt (und 5 typische Fehler vermeidet)
Schritt-für-Schritt-Anleitung für realistische Projektionen — was jeder Eingabewert bedeutet, welchen Zahlen du trauen kannst und wie du das Diagramm liest.
- Anfangsbetrag
- Der bereits investierte Startsaldo, einmalig zu Beginn der Berechnungsperiode angelegt.
- Monatliche Sparrate
- Eine wiederkehrende Einzahlung am Ende jedes Monats über die gesamte Berechnungsdauer.
- Jährliche Rendite
- Die erwartete annualisierte Rendite — sollte eine langfristige Erwartung sein, nicht die Zahl des letzten Jahres.
- Zinsperiode
- Wie oft Zinsen berechnet und dem Kapital hinzugefügt werden — jährlich, monatlich, täglich oder kontinuierlich.
Ein Zinseszins-Rechner ist eines der einfachsten Finanzwerkzeuge, aber die meisten Nutzer geben Werte ein, die irreführende Projektionen produzieren. So nutzt man ihn richtig — und das sind die fünf Fehler, die die meisten Berechnungen ruinieren.
Schritt 1: Anfangsbetrag
Dein Startsaldo. Wer 25.000 € im bestehenden Trade-Republic- oder Scalable-Depot hat, gibt das als Anfangsbetrag ein. Bei Null-Start: leer lassen oder 0. Erwartete künftige Einzahlungen gehören NICHT hierher — die kommen ins Feld monatliche Sparrate.
Schritt 2: Monatliche Sparrate
Was du wirklich jeden Monat investieren wirst, dauerhaft. Sei realistisch — wähle einen Betrag, den du durch Jobwechsel, Crashs und unerwartete Ausgaben hindurch hältst. Die meisten überschätzen sich. Sicherer: nimm deinen aktuellen automatisierten Sparplan, nicht den "idealen".
Schritt 3: Jährliche Rendite
Die häufigste Fehlerquelle. Nutze langfristige Renditeerwartung, nicht das Vorjahr. Sinnvolle Defaults: 7% real (nach Inflation) für breit gestreutes Aktien-ETF (MSCI World, FTSE All-World), 9% nominal für Aktien, 2-3% real für Tagesgeld/Festgeld, 1-2% real für Anleihen. Nicht 15% nur weil die letzten 5 Jahre gut waren — Märkte kehren zum Mittel zurück.
Schritt 4: Zeithorizont
Jahre bis du das Geld brauchst. Für Rente: Renteneintrittsalter minus aktuelles Alter. Sei ehrlich — 40 Jahre zu modellieren, wenn du tatsächlich mit 50 entnimmst, produziert einen Saldo, der nicht existiert.
Schritt 5: Zinsperiode
Für Aktien-ETFs ist monatliche Verzinsung (12) der korrekte Standard. Für Tagesgeld/Festgeld: täglich (365). Der Unterschied zwischen monatlich und täglich auf langem Horizont ist klein (unter 1%); jährlich vs. häufiger ist signifikant.
Wie man das Diagramm liest
Die Linie ist dein Saldo über die Zeit. Sie krümmt sich nach oben — diese Krümmung ist Zinseszins. Die flachere grüne Fläche sind deine Einzahlungen; die farbige Fläche darüber ist Wachstum. In Jahr 20-30 übersteigt das Wachstum typischerweise die Einzahlungen.
Die 5 Fehler
(1) Vorjahresrendite verwenden — Markt kehrt zum Mittel zurück. (2) Inflation vergessen bei Rentenplanung — nutze 7% real, nicht 9% nominal. (3) Unrealistische Sparraten modellieren, die du nicht durchhältst. (4) Kosten ignorieren — jedes 1% TER reduziert den Endsaldo über 30 Jahre um ~25%. (5) Die Projektion als Garantie behandeln statt als Mittelwert.
Häufige Fragen
Soll ich 7% oder 9% für Aktien nutzen?
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Warum krümmt sich das Diagramm nach oben?
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Wie genau ist die Projektion?
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